Mein Job und so

vom: Apr 24 2013

Boar, man man man – nach dem ich jetzt schon seit einigen Tagen in der Modelkartei unterwegs bin möchte ich euch folgende Zeilen widmen und mal einiges klar stellen. Oder kennt ihr das, man wird immer (vorwiegend von Bekannten) gefragt ob man nicht mal schneller „hier“ und „dort“ ein Bild machen könnte? Nur mal schnell „das Knöpfchen drücken“. In diesem Beitrag möchte ich gerne einen Einblick in das Leben eines Fotografen geben, was man tut und auf was man sich fast täglich einlassen muss. Hauptsächliche beschreibe ich die Thematik um einen TFP Vertrag im Zusammenhang mit einer online-Modelkartei.

Viele nehmen das Wort TFP gerne in den Mund, wissen aber gar nicht so genau was es ist und was bedeutet. Fangen wir also vorne an: TFP bedeutet „time für prints“ oder „time für pictures“. In der modernen Welt wird das auch gerne mal durch TFCD (time for CD) ersetzt, was heißt, das der Austausch der entstandenen Bilder auf CD erfolgt. Ein TFP-Shooting findet immer ohne entgeltliche Bezahlung statt. Weder das Model noch der Fotograf bekommen in irgendeiner Art und Weise Geld. Jede Seite, Fotograf oder Model, hat seine eigenes Päckchen zu tragen. Der Fotograf bringt seine Kamera oder Ausrüstung mit, das Model die Ausstrahlung und Zeit. Soweit klar. 

„Mal ebend Knöpfchen drücken“ und meine Arbeit…Pah! Von wegen. Bei einem 3 Std. Shooting entstehen gerne mal 400 Bilder und mehr. Das variiert natürlich von Shooting zu Shooting, je nach Aufnahmebereich und dauer. Von diesen angenommenen 400 Bildern werden 100 aussortiert weil das Model die Augen zu hat, die Pose nicht stimmt oder das Outfit faxen gemacht hat. Weitere 50 werden aussortiert weil unscharf, nochmals 50 wegen unvorteilhaften Speckröllchen und so weiter bis schlussendlich nur noch 20 Bilder über bleiben. Spätestens jetzt sollte klar werden, dass ich als Fotograf nicht nur „der gute Kollege bin, der mal eben das Knöpfchen drückt“. Mitunter muss ich eine mehrere Kilo schwere Ausrüstung mitschleppen, Stative auf- und abbauen, auf den Boden liegen, auf Leitern steigen usw. – da kann auch gerne mal das Deo versagen. Und das alles für 20 Bilder.

Die Bilder sind Aushängeschild für beide Parteien und sollten entsprechend eine gewisse Qualität aufweisen. Meine Bilder verlassen in den wenigsten Fällen unbearbeitet meinen Computer. Warum? Ganz einfach – der erste Eindruck zählt. Angenommen das Bild taucht in einer (oder der) Modelkartei, Setcard oder Fotoalbum auf und nach der hoffentlich positiven Rückmeldung kommt immer zwangsweise die Frage: Wer hat das Bild gemacht? Genau deshalb legen auch erfahrene Models größten Wert auf bearbeitete Fotos. Ich als Fotograf auch.
10 wirklich gute Fotos sind 100 mal besser als 1000 Bilder die schlecht sind. Zudem sieht man sich irgendwann satt, wer möchte schon gerne 100 oder mehr Bilder einer Person sehen? Ich nicht!

Schon mal „Germany next Top Model“ gesehen? Hast du dich schon mal gefragt warum die am Ende immer nur ein Bild bekommen? Klar, es werden mehrere schöne Bilder entstanden sein, aber auch eine Menge unbrauchbare. Denk mal drüber nach…

Mein Lieblingsthema: Geld verdienen!
Und davon möglichst viel, schnell und wenn möglich wenig dafür tun. Keine Bewertung, im Profil direkt nach „only PAY Shootings“ schreien aber mittelmäßige Bilder präsentieren. Zeigt mir doch schon: Kein Fotograf war bisher bereit dein Preis zu zahlen. Mal abgesehen von der Modeltechnischen, nicht vorhandenen, Glanzleistungen. Modeln ist harte Arbeit, Posen müssen über Minuten gehalten werde. Das würde auch mal heißen, dass man jetzt gerade nichts trinken oder essen darf weil das aufwendige Make-up sonst für den Allerwertesten war.
Weiter kommt auch gerne mal die Frage nach einem „Fahrtkostenzuschlag“ oder ein wenig Geld für ein Ticket. Herr Gott, ich will mich da nicht so haben, das Shooting soll ja nicht an 5-10 Euro scheitern. Das steht natürlich im kontroversen Gegensatz zu meiner Einleitung weiter oben, wir erinnern uns: „Weder das Model noch der Fotograf bekommen in irgendeiner Art und Weise Geld.“ Tja, dann wird es halt nicht mehr TFP. Auch egal. Aber was ich damit sagen will und noch mal hervorheben möchte: Ich fotografiere aus Leidenschaft und aus Spaß an der Freude. Ich schaffe mir teureres Kamera Equipment an, Objektive, Blitze, Reflektoren und sogar eine Studioanlage an. Und ihr Models? Ihr nehmt eure Klamotten fertig gebügelt aus dem Schrank – Geldausgabe gleich null. Warum sollte ich eigentlich nicht Geld für meine Arbeiten nehmen? In meiner Spiegelreflexkamera sind auch mechanische Teile, die nutzen sich ab. Nach 100.000 Auslösungen geht der Spiegel über den Jordan – und dann? Dann kaufe ich mir wieder eine neue Kamera für 1500 Euro. Ja, richtig gelesen und ich habe mich nicht verschrieben. Tausend-fünf-hundert-Euro! Kommen wir zurück zu den Fahrtkosten – sofern das Shooting nicht bei mir zu Hause stattfindet habe ich auch Fahrtkosten, wer zahlt die denn?

Und weil es so schön ist: Kein Shooting ohne Vertrag
Ein Vertrag bietet Klarheit und Schutz zu gleich. Geregelt werden z.B. Fahrtkostenzuschüsse oder Aufnahmebereiche. Zwischen Teilakt und Akt Aufnahmen besteht ein Unterschied und wenn der Fotograf schon sabbernd darauf wartet, dass sich das Model nun endlich entblättert und das nicht passiert - genug des Kopfkinos. Im Vertrag wird geregelt wie weit es geht. Nicht selten kam es vor das nach einem erfolgreichen TFP-Shooting das Model fragte: „… und das Geld überweißt du dann?“ Unter anderem deshalb den Vertrag vor dem Shooting zeigen lassen! Und Leute: Es geht nichts über Kommunikation – ein kurzes Telefonat im Voraus, Erklärungen was man erwartet, was man sich vorstellt sollte zu einem Professionellen Auftreten dazu gehören. Je mehr man vorab klärt, desto weniger muss man später beim Shooting darüber sprechen und so bleibt mehr Zeit zum fotografieren. Es geht auch nicht darum sein Telefonnummern speicher im Handy auf das Maximum aus zu reizten sondern um effektives Arbeiten. Denn keiner kann mir sagen das das, was ich oben beschrieben habe, keine Arbeit ist.

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